Abnehmen ist so leicht…, not!

Abnehmen ist so leicht.

Genau diesen Satz hört man immer wieder von Personen mit Normalgewicht. Nur selten hört man ihn von solchen, die an Übergewicht leiden. Um es klar und deutlich zu sagen:

WENN ABNEHMEN LEICHT WÄRE, WÄREN NICHT 59% DER MÄNNER UND 37% DER FRAUEN IN DEUTSCHLAND ÜBERGEWICHTIG (Zahlen aus dem Jahr 2017).

Abnehmen ist nicht schwer, ist sogar ganz einfach, in der Theorie. Man führt dem Körper einfach weniger Kalorien zu als er benötigt und schon nimmt man ab. In der Praxis sieht das dann schon etwas schwieriger aus, denn wie viele Kalorien benötigt mein Körper eigentlich und wie viele dieser Kalorien sind in den Nahrungsmitteln, die ich so tagtäglich esse, eigentlich enthalten? Ersteres kann man relativ leicht herausfinden mit gewissen Formeln, mit denen man den jeweiligen Umsatz berechnen kann. Auch der zweite Punkt ist einfach mit Waage und den Nährwertangaben auf der Rückseite der Verpackung nachzuvollziehen. Bloß wiegen und alles zusammenrechnen, fertig!

Und trotzdem steigen schon viele nach diesen zwei Punkten aus, was absolut verständlich ist! Die Rechnerei ist anfangs etwas mühselig und man selbst entspricht dann doch nicht der einen Formel, die sich so einfach berechnen lässt, sondern hat einen ganz individuellen Umsatz, der irgendwie ganz anders aussieht als die Zahl, die einem der Online-Rechner ausspuckt. Aber wie ich oben in der Überschrift geschrieben habe, ist ABNEHMEN eben kein Zuckerschlecken, sondern erfordert vor allem Willenskraft und Kontinuität, dazu das nötige Know-how in Sachen Ernährung und Bewegung sowie das Kennen der eigenen Biologie, damit sich langfristige Erfolge einstellen.

Meiner Meinung nach ist das Schwierigste am Diäten der soziale Druck. Essengehen mit Freunden oder Kollegen in der Kantine wird zur Herausforderung. Bei Familienfesten oder Treffen wird man als Diätender wie ein Außerirdischer beäugt und zu allem Überfluss hat auch jeder noch einen tollen Spruch auf der Zunge. „Warum tut man sich das an?“, „Machst du das wirklich freiwillig?“, „Oh, Freddy isst heute wieder kein Brot.“, „Für dich gibt es wieder eine Sonderbestellung, oder?“, „Schmeckt das überhaupt?“ um nur einige der aufbauenden Bemerkungen zu nennen.

Hier willensstark und konsistent zu bleiben ist wirklich nicht leicht, auch kann ich durchaus nachvollziehen, dass es einem anfangs schwerfällt, Dinge wie: „Bitte mit doppelt/dreifach Hähnchen, viel Gemüse, kein Käse, ohne Dressing und nur Essig Öl.“ zu bestellen. Wenn man aber ein gewisses Defizit fährt, muss man manchmal ein paar Abstriche machen, was auswärts Essen angeht. Zum Glück wird dies jedoch durch das tracken seiner Nahrungsmittel deutlich weniger eingeschränkt und so kann man guten Gewissens auch während der Diät ab und zu seiner Psyche mit einem Burger, Pommes oder einem Eis zum Nachtisch etwas Gutes tun.

A propos Psyche: Während man sich in einem Kaloriendefizit befindet, besonders nach längerer Zeit, merkt man deutlich, dass der Körper und auch der Geist unter dem anhaltenden Energiemangel leiden. Denn man bekommt schneller schlechte Laune und ist auch schneller gereizt.

Das Training fällt zunehmend schwerer und macht lange nicht mehr so viel Spaß wie zu Zeiten, als man sich noch in einem Kalorienplus oder zumindest im -erhalt bewegt hat. Es fehlt einfach an Energie (was ziemlich logisch in einem Kaloriendefizit ist).

Aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels! Wenn einmal der Körperfettanteil so weit gesenkt ist, wie man es sich das gewünscht hat, ist das Erhalten diesen Zustandes im Vergleich zum Diäten ein echtes Kinderspiel. Man isst einfach wieder auf Erhalt und kann dadurch natürlich mit seinen Kalorien viel mehr spielen. Somit steht sozialen Ereignissen nichts mehr im Weg und der Druck wird viel kleiner. Man fühlt sich nicht mehr ausgegrenzt, wobei mir persönlich dieses „Außerirdische“ heute so gut wie nichts mehr ausmacht, im Gegenteil. Ich genieße es zeitweise richtig mich anders (meist ausgewogener und gesünder) als alle Anderen zu ernähren und frage mich eher, was hinter den ganzen übergriffigen Sprüchen steckt. Und sollte ich bei einer Packung Kekse oder einem Pint Ben & Jerry’s doch mal schwach werden, heißt es am nächsten Tag einfach „back on track“…

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